Rabab
Instrumente mit dem Namen Rabab sind weit im Orient verbreitet.
Im Fall der afghanischen Rabab handelt es sich um eine Langhalslaute, die aus einem einzigen Maulbeerholzstamm geschnitzt wird. Der Klangkörper ist mit einer Ziegenhaut bespannt über den die drei Spielsaiten verlaufen. Von einem kleinen Hornsteg werden sie gehalten und an einem Knauf am Ende des Klangkörpers befestigt. Weitere über den unteren Teil des Griffbrettes laufende17 Resonanzsaiten werden in der jeweils gespielten Tonart gestimmt.
Die Rabab hat einen schmalen und in der Tiefe spitz zulaufenden Klangkörper der an den Bau eines Schiffes oder Bootes erinnert. In diesem Sinne ist man geneigt von der archaischen Form dieses Instrumentes zu sprechen, wobei der warme und volle Klang des Instrumentes den Eindruck auch in tonlicher Hinsicht verstärkt.
Bei den meisten Instrumenten fallen blütenförmige Wirbel und reich mit Blumen und Vogelmotiven verzierte Perlmutteinlegearbeiten des Griffbrettes, sowie Perlmuttverzierungen des Klangkörpers ins Auge. Auch ist das Griffbrett meist von einem kunstvoll geschnitzten Stimmkopf gekrönt.
Der Spieler schlägt die Saiten mit einem kleinen Holzplektron in der rechten Hand an.
Die Form der Rabab erinnert wie gesagt an eine Art Arche und es wird auch behauptet, dass ihre Form eine Urform der heutigen Lauten und auch Streichinstrumente darstellt. Ebenso wie europäische Streichinstrumente hat die Rabab Zargen und jene runden Einbuchtungen im Klangkörper, die ihn wie eine stilisierte Herzform wirken lassen.
Man schätzt, dass die Geschichte der afghanischen Rabab ca. 2000 Jahre alt ist. Die Beliebtheit dieses Instrumentes lässt sich aus zahlreichen Tempelmotiven die Lautespielende Damen darstellen, aus Miniaturmalereien ersehen, aber auch von der vielfachen Erwähnung in poetischen Texten ableiten.
In ganz Afghanistan war und ist die afghanische Rabab eines der dominanten Melodieinstrumente. Dies mag damit zu tun haben, dass die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten dieses Instrumentes so vielseitig sind und es mit seinem eindringlichen Klang den Zuhörer rasch in seinen Bann zieht. Die Rabab wird zu allen feierlichen Anlässen gespielt, es ist ein Hauptinstrument der afghanischen Folklore und hat auch in der spirituellen Musik der Sufis stets eine zentrale Rolle gespielt.
Solistisch und als klassisches Musikinstrument gelangte die Rabab in unserer Zeit vor allem durch den berühmten Rababinterpreten Ustad Muhammad Umar zu hohem Ansehen. Ustad M. Umar verstarb Ende der 80ger Jahre und hinterließ wenige aber sehr eindrucksvolle Aufnahmen seines großen virtuosen Könnens und seines tiefen musikalischen Ausdrucks auf diesem Instrument. Er bewies durch seine musikalische Umsetzung, dass die Klassik von Elementen der traditionellen Musik, die man Volksmusik nennen könnte, da sie so weit verbreitet und ihre Melodien jedem bekannt waren, durchdrungen und bereichert wird. Themen der traditionellen Musik ließen sich virtuos in der Klassik entfalten und wiederum verlief der Übergang von einem Rag oder muqam im klassischen Stil in eine traditionelle Weise mit fließender Leichtigkeit. Gerade in dieser Nähe und Durchdringung von Klassik und Folklore liegt die Faszination seines klassischen Rababstils, der voller Lebendigkeit und Frische war.
Ihre Beliebtheit ließ die afghanische Rabab nicht in Afghanistan verweilen. In den Händen einer afghanischen Familie namens Bangesh, die Pferdehandel betrieben und auch Rababspieler waren, gelangte das Instrument an die Höfe Nordindiens. Im 17. Jahrhundert wurde die Rabab von Nachkommen dieser Familie in Form und Spielweise modifiziert und es entstand das heute in Indien berühmte Saiteninstrument Sarod, dessen heutzutage hervorragender Interpret der indische Sarodvirtuose Ustad Amjad Ali Khan die Musiktradition seiner Familie an die siebte Generation der Bangesh Familie, seine Söhne Amaan Ali Khan und Ajaan Ali Khan weitergibt.
